Nackenheimer Narren erstürmen das Rathaus

Die jährlich zu Beginn der Fastnacht stattfindende symbolische Besetzung des örtlichen Rathauses durch die Narren hat auch beim CVE in Nackenheim eine lange Tradition. Der Bürgermeister wird „gezwungen“, den Rathausschlüssel an die Narren zu übergeben und damit die gewohnte Ordnung während der „Fünften Jahreszeit“ außer Kraft zu setzen. Erfahrungsgemäß wird der Schlüssel zum Rathaus bzw. zur Verwaltung nicht freiwillig herausgegeben, sondern der jeweilige Bürgermeister von den Narren herausgeführt. Im Verlauf der Zeremonie wird häufig der „Amtsschimmel“ im Allgemeinen karikiert oder die Narren erinnern an spektakuläre Ereignisse und Patzer der Verwaltung im vergangenen Jahr. Und so war natürlich am letzten Wochenende die „ewige“ Baustelle an der Unterführung Bellenäcker in Nackenheim ein Thema, das bei der Rathausstürmung aufgegriffen wurde.

War die Rathausstürmung in Nackenheim bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts noch eine eher kleine, interne Veranstaltung in den Räumen des Rathauses, verlagerte sich das Geschehen in Lauf der Jahre auf den Rathausvorplatz. Zuerst am Sonntag vormittag, später auf den Nachmittag verlegt, bot man so den Bürgern die Möglichkeit an diesem Spektakel teilzuhaben. Unter Einbeziehung der Katholischen Jugend Nackenheim, die schon immer mit ihren Fastnachtsveranstaltungen einen Gegenpol zum etablierten Carneval-Verein der Entenbrüder bildet, entwickelte sich der Rathaussturm zusehends zu einem echten Publikumsmagnet. Seit dem letzten Jahr wurde diese Veranstaltung anläßlich der Jubiläums von CVE und KJN um das Hissen der Fastnachtsfahnen am Schiffermast erweitert. Und so startete der Nachmittag bereits um 14:33 Uhr am Schiffermast unter Mitwirkung des örtlichen Schiffervereins, der auch dafür sorgte, das die herbeigeströmten Narren nicht verdursten mussten.

Danach setzte sich der Tross (bestehend aus Entenbrüdern und Entenschwestern, dem CVE-Komitee, großem Rat, den CVE Dancing-Ducks, der Katholischen Jugend und zahlreichen Zuschauern) mit der musikalischen Begleitung der Bodenheimer Schoppengarde in Bewegung, um pünktlich 15:11 Uhr vor dem Rathaus die Übernahme der Regierung zu reklamieren. Viele große und kleine Narren füllten den Rathausplatz um dem Ereignis beizuwohnen. Der Vorsitzende des CVE Gerd Zimmermann starte sogleich den Schlagabtausch mit Bürgermeister René Adler. Dieser konterte aus dem offenen Fenster seiner Amtsstube, um schließlich doch – angesichts der großen Übermacht der Fastnachter – die Regierungsgewalt symbolisch in Form der Schlüsselübergabe an die Narren zu übertragen. Danach forderte die KJN den Bürgermeister auf, nun endlich auch die Stadtrechte für Nackenheim einzufordern. Mit zahlreichen cleveren Argumenten überzeugte man den Bürgermeister zu guter Letzt mit der Aussicht, die Carl-Zuckmayer-Büste am Rathaus durch eine neue René-Adler-Büste auszutauschen. Der kurzweilige Spaß endete dann mit Glühwein, der von der Gemeindeverwaltung kostenlos an alle Narren ausgegeben wurde. Damit kann die Kampagne 2026 nun auch offiziell in Nackenheim gefeiert werden, die am Fastnachtsdienstag mit dem Umzug durch die Ortsstraßen und der anschließenden Abschlussparty in der Ringerhalle endet. Ob nun demnächst die Ernennung zur „Stadt Nackenheim“ gefeiert werden kann, steht allerdings in den Sternen…

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